AKTUELLE AUSGABE


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Über Theresia Hardegger

Dr. med.
Theresia Hardegger

Fachärztin Medizinische Onkologie

 

Onkologie-Praxis Luzern AG
Obergrundstrasse 44
6003 Luzern

T +41 41 240 41 12
F +41 41 204 41 12

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13 FRAGEN AN

Langjährige St. Anna-Belegärzte im persönlichen Gespräch

  1. Wann wurden Sie Belegärztin im St. Anna und wie kam es dazu?
    Ich habe mich spontan beworben und wurde 1999 als Belegärztin gewählt.

  2. Wie war damals Ihre Tätigkeit im St. Anna organisiert?
    Als gewählte Belegärztin hatte ich meine Praxis für Onkologie und Hämatologie ausserhalb der Klinik, in der Stadt Luzern an der Obergrundstrasse 44, eingerichtet. Dort sah ich meine Patienten für Erstuntersuchungen, für weitere Abklärungen und Therapien in meinem Onkologieambulatorium. Im St. Anna betreute ich meine stationären Patienten selber, sei es wegen onkologischer Notfälle, Chemotherapien, Palliativsituationen oder zur Sterbebegleitung. Es standen wöchentlich viele onkologische Konsilien an.

  3. Wie haben Sie mit den St. Anna-Schwestern zusammengearbeitet?
    Es war eine positive Zusammenarbeit. Ich habe die St. Anna-Schwestern stets als hilfsbereit, kompetent, zielorientiert erlebt, ob dies auf dem Notfall, auf den Abteilungen oder im Sozialdienst war. Die Patienten und auch ich schätzten ihre liebevolle und tatkräftige Unterstützung.

  4. Wie organisieren Sie heute Ihre Tätigkeit im St. Anna?
    Täglich mache ich frühmorgens Visite bei den eigenen stationären Patienten. Pneumo- und Tumorboardsitzungen finden jeweils am Dienstagabend in der Klinik statt. Meist bin ich vorgängig noch im Labor Bioanalytica für Knochenmarkbeurteilungen mit der Laborantin verabredet, um mit ihr zusammen die wöchentlich anfallenden Knochenmarkausstriche zu beurteilen.

  5. Was ist der grösste Unterschied für Sie zwischen den zwei Zeitperioden?
    a) Das Management der Notfallpatienten, das jeder zuweisende Belegarzt früher selber machen musste, d.h. sofort auf die Notfallstation eilen, untersuchen, verordnen etc., kann ich heute an die stetigen, 24 Stunden zur Verfügung stehenden Notfallärzte auf der neuen Notfallstation delegieren. Dies ist viel effizienter, spart mir Zeit, da man nicht sofort (und manchmal im grössten Stadtverkehr) in die Klinik gehen muss. Ausserdem läuft das aktuelle Praxisprogramm mit den Chemotherapien geordnet und unter meiner Aufsicht weiter.
    b) Ursprünglich fanden die morgendlichen Visiten noch öfters mit den Pflegenden bei den Patienten auf den Stationen statt, dies ist heute nur noch selten der Fall.
    c) Heute werden alle Verordnungen der Ärzte im Klinik-Computer-System erfasst, was früher noch handschriftlich auf Verordnungsblättern erfolgte.
    e) Früher hatten wir viel mehr Konsilien im St. Anna, was heute vermehrt durch die Inhouse-Onkologen erledigt wird.
    f) Früher hatten wir zu jeder Röntgenanmeldung die Röntgendossiers mitzubringen, was heute dank Digitalisierung und Back-ups zum Glück entfällt. 

  6. Wie unterschiedlich ist die Patientenbehandlung zwischen früher und heute?
    a) In der Onkologie haben ganz allgemein Behandlungen an Kürze gewonnen (kaum mehr mehrtägige Dauerinfusionstherapien). Das Meiste sind Infusionen, die innert 30 Minuten oder in wenigen Stunden verabreicht werden. Sogar subkutane oder perorale Tumortherapien stehen häufig zur Verfügung, dadurch sind die Behandlungszeiten bedeutend kürzer.
    b) Patientenverfügungen sind zum Teil vorhanden, aber nur bedingt brauchbar, da Stellungsnahmen z. B. gegen eine Chemotherapie oft wieder umgestossen werden, falls sich eine Verbesserung gerade nur mit Chemotherapie erreichen liesse. Information und Aufklärung des Patienten sind nach wie vor sehr wichtig.
    c) Dank molekular-biologischer bzw. genetischer Untersuchungen werden Tumoren immer differenzierter unterteilt und Therapien immer präziser.
    d) Patienten schätzen allgemein die Betreuung durch ein eingespieltes konstantes Team, dem sie Vertrauen entgegenbringen, den Pflegenden und dem Arzt oder der Ärztin.


  7. Was denken Sie: Wie sieht die Spitalorganisation in 20 Jahren aus?
    Vielleicht wie in grossen universitären Spitälern mit hierarchisch aufgebauten Teams, keine Belegärzte mehr? Wo die Patienten lediglich als eine Summe von unterschiedlich zu gewichtenden Diagnose-Codes und Therapie-Codes erfasst werden, und Leistungen nur noch unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie getätigt werden? Ich hoffe, dass die Entwicklung nicht in diese Richtung geht. Vielleicht gelingt es der Forschung, Heilungen in wichtigen Tumorentitäten zu erzielen, und mehr Informationen zur sicheren primären Prävention zu gewinnen. Dies wären echte Erfolge. Was meine persönliche Erfahrung nun über x Jahre in der Onkologie zeigt, ist, dass die Patienten kurze Behandlungswege in ihrer Nähe und ein eingespieltes Netzwerk von Hausarzt und Fachärzten sehr schätzen.

  8. Wenn Sie nochmals 20 wären – würden Sie wieder Medizin studieren?
    Ja, sicher. Arzt/Ärztin sein ist einer der schönsten, erfüllendsten Berufe, weil er mit Menschen in einer schwierigen Lebenssituation zu tun hat. Die Medizin hat viel erforscht und kann heute vieles anbieten. Speziell das Fachgebiet der Onkologie ist hochinteressant, zeigte eine rasante Entwicklung im diagnostischen und therapeutischen Bereich. Man ist rundum gefordert, bekommt aber auch viel Anerkennung durch die Patienten. Im Gegensatz zu früher, noch vor 30 Jahren, sind die Erfolgschancen einer Tumorbehandlung heute grösser, sei es in kurativer Hinsicht, sei es mit palliativem Behandlungsziel.

  9. Welchen Einfluss hat der Arztberuf auf Ihr Privatleben?
    Manchmal einen übermässig erdrückenden, aufgrund der dichten Agenda und der Tatsache, dass Tumorpatienten meist keinen Aufschub tolerieren. Mein Privatleben spielt sich tatsächlich an einem kleinen Ort ab. Andererseits erfüllt mich meine Arbeit mit einer grossen Dankbarkeit und Zufriedenheit. Sie ist sinnstiftend und daher Motivation, weiterzumachen.

  10. Welchen Beruf hätten Sie auch gerne ausgeübt? Warum?
    Fremdsprachen liegen mir, deswegen liebäugelte ich auch mit Dolmetschen, Bücher übersetzen. Physik faszinierte mich in der Schule. Gerne wäre ich auch Pianistin geworden. Zudem verspürte ich immer wieder die Verlockung, zu reisen und fremde Länder zu entdecken.

  11. Work-Life-Balance ist ein viel gehörtes Schlagwort. Sind Sie in der Balance und was tun Sie dafür?
    In meinem Alter habe ich gemerkt, dass ich etwas für die Gesunderhaltung meines Körpers tun muss, deshalb gehe ich zwei Stunden pro Woche ins Pilates. Ich liebe Bewegung in der Natur, Spaziergänge, Wanderungen. Besuche in Gewächshäusern und Zoos faszinieren mich immer wieder. Ich pflege soziale Kontakte vor allem in der Familie, in einem engen Bekanntenkreis, liebe Musik, habe KKL-Symphonie-Abo und Theater-Abo und lese gerne, wenn ich Zeit und Musse dazu habe.

  12. Welches kulturelle Angebot Luzerns nutzen Sie am häufigsten?
    Musik im KKL.

  13. Welches Buch liegt auf Ihrem Nachttisch?
    Das Tagebuch der Anne Frank und GEO-Zeitschriften.