AKTUELLE AUSGABE


Opens internal link in current windowzurück zur Übersicht

Über Stephan Haerle

Prof. Dr. med.
Stephan Haerle

Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, speziell Hals- und Gesichtschirurgie

 

Zentrum für Kopf-Hals-Chirurgie
Lützelmattstrasse 3
6006 Luzern
Schweiz

T +41 41 544 07 08
F +41 41 544 07 16

Opens window for sending emailE-Mail
Opens external link in new windowZur Online-Visitenkarte
Opens external link in new windowwww.kopf-hals-chirurgie.ch

FÜR SIE AUSGESUCHT

Kopf-Hals-Tumoren im Spotlight: vielseitig, anspruchsvoll und interdisziplinär

Das Zentrum für Kopf-Hals-Chirurgie an der Hirslanden Klinik St. Anna ist der individuellen Behandlung von Patienten mit gutartigen und bösartigen Tumoren des Kopf- und Halsbereichs gewidmet. Eine anspruchsvolle, vielseitige Herausforderung.

Unterschiedliche Tumorarten im Kopf- und Halsbereich
Der ORL-Chirurg ist mit einer Vielzahl an unterschiedlichen gut- oder bösartigen Neubildungen, aber auch funktionellen Störungen wie z. B. dem Zenker-Divertikel konfrontiert. Epidemiologisch werden weltweit ca. 500’000 neue mukosale Malignome diagnostiziert. Die betroffenen anatomischen Organe/Einheiten können geografisch in der Häufigkeit, aber auch in der Entstehung variieren. Während in Asien Epstein-Barr-Virus-(EBV-)assoziierte Nasopharynxkarzinome gehäuft therapiebedürftig sind, werden in Europa und in den USA immer vermehrt Humane-Papillomavirus-(HPV-)assoziierte Rachenkarzinome diagnostiziert. Letzteres scheint die klassischen Risikofaktoren wie Nikotin- und Alkoholabusus zu verdrängen. Insgesamt nimmt die Anzahl Mundhöhlen- und Larynxkarzinome eher ab, während die HPV-assoziierten Oropharynxkarzinome in der Zahl deutlich zunehmen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat reagiert und bietet neu den Schulkindern entsprechende Impfungen gegen einzelne verantwortliche HPV-Arten an.
Nebst den mukosalen Tumoren beschäftigt sich der spezialisierte ORL-Chirurg auch mit den meist gutartigen Neoplasien der Speicheldrüsen und Schilddrüse. Dabei wird das gesamte Spektrum der Diagnostik inkl. Ultraschall, Punktionen, fiberoptischer und starrer minimal-invasiver Endoskopien (u. a. auch der Sialendoskopie der Speicheldrüsengänge in Lokalanästhesie) angeboten. Bei der Abklärung und operativen Therapie von Schilddrüsenpathologien besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Endokrinologen und dem Nuklearmediziner. In diesem Zusammenhang soll an der Hirslanden Klinik St. Anna ein Kompetenzzentrum entstehen mit dem Fokus eines vollumfänglichen interdisziplinären Therapieangebotes.
Last but not least befinden sich zwischen dem Hals und dem Hirn auch die Nase und die Nasennebenhöhlen, Letztere als Zugang zur Schädelbasis. Dieser mehrheitlich endoskopisch-chirurgische Bereich wird an der Klinik St. Anna ebenfalls abgedeckt. Dabei kommen modernste Navigationshilfen zum Einsatz.
Weitere navigations-unterstützte Abklärungen/Therapieformen beinhalten die Sentinellymphknotenbiopsie bei Haut- oder auch ausgewählten mukosalen Tumoren sowie in Zukunft die transorale roboterassistierte Tumorchirurgie.

Anspruchsvolle Chirurgie
Das duale Prinzip der onkologischen Chirurgie mit dem Erhalt der Funktion einerseits und der onkologischen Sicherheit andererseits stellt gerade im Kopf-Hals-Bereich hohe Anforderungen an den Chirurgen. Moderne Hilfsmittel wie die metabolische Bildgebung (PET/CT, SPECT/CT), aber auch endoskopische Informationen erleichtern die Planung eines anspruchsvollen Eingriffs entscheidend. Zudem wird jeder Fall vor einer geplanten Intervention am wöchentlichen, interdisziplinären Tumorboard besprochen und diskutiert. Intraoperativ wird der Chirurg durch das Neuromonitoring im Rahmen von Speichel- und Schilddrüseneingriffen unterstützt.
Bei grossen Tumoreingriffen, welche nebst der Ablation der Neoplasie eine Rekonstruktion zur Wiederherstellung der funktionellen Einheit beinhalten, kommen modernste OP-Instrumente und -Mikroskope zum Einsatz. Diese hochkomplexe Art der Chirurgie dauert oftmals mehrere Stunden und bedarf eines eingespielten Teams zwischen den Chirurgen, Anästhesisten, dem OP-Staff und letztlich auch der IPS und Pflegestation. Hierbei erleichtern angefertigte Checklisten und Casemaps die Zusammenarbeit und das Verständnis der anspruchsvollen Patientenversorgung.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Teamwork beginnt bereits bei der Zuweisung des Patienten an den jeweiligen Spezialisten mit dem gegenseitigen Vertrauen als wichtigster Voraussetzung. Gerade bei den immer älter werdenden Patienten spielen Vernunft, Angebot und Durchführung einer komplexen Behandlung gepaart mit einfacher und direkter Kommunikation eine wichtige Rolle. Letztere soll auch nach der Behandlung durch den Spezialisten nicht abbrechen. Wie oben bereits erwähnt, werden die Patienten interdisziplinär besprochen, bevor eine chirurgische Intervention geplant wird. Beim Eingriff selbst werden je nach Komplexität ebenfalls weitere Spezialisten dabei sein, um so für eine möglichst rasche und optimale Versorgung garantieren zu können. Während der postoperativen Phase werden Fachkollegen zur gemeinsamen Betreuung des Patienten hinzugezogen. Hierbei zeigt sich klar: Je eingespielter das Team, desto besser die Patientenversorgung. Zuletzt soll erwähnt werden, dass nebst der klinischen Zusammenarbeit auch die wissenschaftliche Zusammenarbeit und die Aufarbeitung der eigenen Daten eine wichtige Rolle in der Vorwärtsbewegung einer modernen, angepassten, wissenschaftlich belegten Patientenversorgung spielen.

Beispiele

Abb. 1-3: Rekonstruktion der Zunge nach Tumorentfernung mit Hilfe eines freien Vorderarmtransplantats (radial forearm free flap), welches autonom mit Hilfe mikrochirurgischer Anastomosierung blutversorgt wird und in diesem Falle zusätzlich mittels eines radialen Nervenastes für eine sensible Versorgung der Zunge sorgt (sensate flap).

Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3

 

Abb. 4-5: Eine nach retrotracheal und nach intrathorakal gewachsene Struma multinodosa. Der Zugang erfolgte rein zervikal, ohne dass eine Sternotomie notwendig wurde. In der Struma fand sich zusätzlich ein gut-differenziertes papilläres Schilddrüsenkarzinom, so dass eine adjuvante Radiojodtherapie mittels 131J indiziert war.

Abb. 4
Abb. 5